"I keep saying the sexy job in the next ten years will be statisticians. People think I'm joking, but who would've guessed that computer engineers would've been the sexy job of the 1990s?" - Hal Varian

Fünf Jahre, nachdem sich Googles ehemaliger Chef-Ökonom Hal Varian mit diesem Satz zitieren ließ, ist die Frage, ob es denn tatsächlich so gekommen ist, noch offen. Ist DatenanalystIn tatsächlich der "sexy job" im Jahr 2015? Wenn man uns bei CorrelAid fragt, dann ist die Antwort natürlich – mit einem Augenzwinkern – "ja". Aber so sehen das noch lange nicht alle. Digitalisierung, Big Data, Algorithmen, das sind Worte die in Deutschland immer noch größtenteils eher Skepsis als Euphorie auslösen. Der Einfluss der Daten auf unser tägliches Leben ist bestimmt nicht nur ausschließlich positiv zu sehen und wir sind oft genug mit negativen Schlagzeilen konfrontiert, in denen Daten eine eher unrühmliche Rolle spielen: Datenkraken wie Google und Facebook, die unsere persönlichen Daten für kommerzielle Zwecke ausbeuten. Oder Edward Snowden‘s Berichte über die Datensammlung der Geheimdienste in unvorstellbarem Ausmaß.

Das waren nur zwei Beispiele. Alles in allem nicht besonders "sexy".

Es herrscht daher in Deutschland große Verunsicherung, was Datensammlung und Big Data im Allgemeinen angeht. Eine Studie des Fraunhofer Instituts hat in einer Umfrage zu diesem Thema herausgefunden, dass insbesondere die Angst vor Gefährdung der Privatsphäre das Bild prägt (siehe Abbildung). Gesche Joost, Fürsprecherin einer inklusiven digitalen Gesellschaft, sieht dabei in Deutschland aber die Gefahr, dass teilweise "diffuse Ängste" den Blick für die Vorteile von Daten und Datenanalyse trüben würden: „Deutschland fehlt eine digitale Vision“.

Dabei können Daten so nützlich sein und durchaus einen Mehrwert für die Zivilgesellschaft schaffen: Die Analyse von anonymisierten Patientendaten kann die medizinische Forschung massiv voranbringen und so bessere Behandlungsmethoden ermöglichen. In den USA konnten die Behörden aufgrund von Twitter-Daten Grippewellen vorhersagen und rechtzeitig Medikamente auf die betroffenen Gebiete verteilen. Open Data, also frei zugängliche Daten von zum Beispiel lokalen Behörden, werden von findigen DatenanalystInnen genutzt, um das Zusammenleben in ihren Communities zu verbessern und ermöglichen so zum Beispiel mehr Partizipation in der lokalen Politik. Datenvisualisierung kann auch den Journalismus bereichern, indem sie Zusammenhänge sichtbar macht, die sonst verborgen bleiben würden.

Und das sind ebenfalls nur ein paar Beispiele. Und sie zeigen, dass Daten und Datenanalyse durchaus "sexy" sein können. Der Schutz der Privatsphäre und Datenschutz im Allgemeinen sind Teil einer Debatte, die im Zuge der Digitalisierung dringend geführt werden muss und auch geführt wird, bloß darf man darüber nicht den großen potentiellen Nutzen vergessen. Deshalb ist es auch ein Ziel von CorrelAid, zu zeigen, wie die Zivilgesellschaft sich Datenanalyse zunutze machen kann und Organisationen mit einem sozialen Auftrag davon profitieren können.