Im Sommer dieses Jahres begründeten das Projektbüro Angewandte Sozialforschung und CorrelAid ihre Kooperation. Als eine erste gemeinsame Veranstaltung laden wir vom 17.-19. November zum meet up nach Hamburg. Hierbei widmen wir uns unter anderem der Frage, wie Datenanalyse im non-profit-Bereich genutzt werden kann. Soziale Organisationen präsentieren ihre Wirkungsstrategien und Herausforderungen, woraufhin die DatenanalystInnen in einem moderierten Brainstorming die Formate identifizieren, die am besten auf das Problem und die Organisation zugeschnitten sind.

Anmelden zum meet up_HH könnt ihr euch hier.

Im Folgenden stellt sich unser Kooperationspartner, das Projektbüro Angewandte Sozialforschung, vor.

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung - Wissenschaft im Dienste der Gesellschaft

Im Alltag von gesellschaftlichen Akteuren verbergen sich viele spannende Aufgaben für die (Sozial-)Wissenschaften und ihren Nachwuchs. Wissenschaft im Dienste der Gesellschaft bedeutet, mit (mindestens) einem Ohr den Stimmen zivilgesellschaftlicher Akteure zuzuhören. Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung widmet sich diesem Grundsatz – über die Einbindung von Fragestellungen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft in den Alltag von Lehrenden und Studierenden. Wie? Indem innerhalb von Kooperationsprojekten Studierende sowie ForscherInnen aktiv, kreativ und methodisch fundiert für und mit den Projektpartnern eine bedarfsgerechte Forschung planen und durchführen. Maßgeschneidert, organisiert und koordiniert vom Projektbüro Angewandte Sozialforschung.

Wissensbedarf und Wissensgenese – oder: Fragen stellen und Fragen stellen lassen

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung geht auf eine Initiative aus dem Jahr 2010 von Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp und Dr. Roland Willner vom Lehrbereich Politikwissenschaft, insbesondere Methoden, an der Universität Hamburg zurück. Ihr Ziel war es, einen regelmäßigen Austausch zwischen der Universität Hamburg und der gesellschaftlichen Praxis zu ermöglichen. Wissenstransfer in die Praxis & forschendes Lernen aus der Praxis: Ob Verein, Behörde, Partei oder Unternehmen – von Erhebung, Analyse oder Evaluation lässt sich an vielen Stellen in der Praxis profitieren. Zum Beispiel, wenn es um die Betrachtung von Zielgruppen, um Bedarfsanalysen oder Prozesse und Strukturen geht. Ein lebhafter Austausch zwischen gesellschaftlichen Akteuren und dem Projektbüro trägt die relevanten Fragen an wissbegierige Studierende und praxisbegeisterte ForscherInnen heran. Innerhalb von Kooperationsprojekten erproben und vertiefen Studierende ihre empirischen Kenntnisse, ForscherInnen erweitern ihre Kompetenzen und die Kooperationspartner gewinnen relevantes Wissen. So wird die Qualität der Lehre unmittelbar gesteigert und Akteure erhalten einen kompetenten Ansprechpartner – eine Dynamik voller Synergie.

Zwei Formen der Zusammenarbeit

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung gliedert seine Arbeit in zwei Bereiche. Einen davon stellt die Auftragsforschung dar. Dabei wird gemeinsam mit dem Kooperationspartner erarbeitet, welche Fragen wichtig sind und auf welchem Weg sich Antworten finden lassen. In enger Abstimmung mit dem Kooperationspartner entwickelt das Projektbüro anschließend ein Forschungsdesign und kalkuliert ein entsprechendes Budget. Gezielt und eigens für das jeweilige Projekt stellt das Projektbüro ein Forschungsteam aus erfahrenen WissenschaftlerInnen sowie Studierenden zusammen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden schließlich gebündelt und je nach Bedarf in einer für den Kooperationspartner geeigneten Form (z.B. Ergebnisbericht, Tabellenband, Präsentation, etc.) verschriftlicht.

Den zweiten Bereich stellt die Kooperation mit gemeinnützigen Einrichtungen dar, die ‚Pro Bono‘-Projekte. Einrichtungen aus Kultur und Zivilgesellschaft, die nicht über die Ressourcen für ein vollfinanziertes Projekt verfügen, bietet das Projektbüro an, weniger umfangreiche Forschungsanliegen kostenlos (pro-bono) durchzuführen. Diese Form der Kooperation ist in das universitäre Lehrangebot, insbesondere in das der Methoden der empirischen Sozialforschung, eingebettet. Dabei nehmen sich Studierende des Anliegens des Kooperationspartners an, entwickeln passende Erhebungsinstrumente, führen die Erhebungen selbst durch und werten die Daten aus. Sie werden während der Projekte von Dozierenden und TutorInnen angeleitet und betreut. Die Studierenden erhalten neben den Praxiskompetenzen und -erfahrungen Credit Points für die erbrachte Leistung. Die Möglichkeit der Projektmitarbeit kann im Rahmen von Seminaren, Forschungspraktika oder auch Abschlussarbeiten geschehen. Auf die Integration dieser ‚pro Bono‘-Projekte in universitäre Lehrveranstaltungen soll nun am Beispiel der Methodengrundkurse genauer eingegangen werden.

Kooperationen mit gemeinnützigen Akteuren aus der Zivilgesellschaft: Das Beispiel der Methodengrundkurse

In den Methodengrundkursen erlernen Bachelor-Studierende der Politikwissenschaft und Soziologie in ihrem zweiten Semester die Grundlagen empirischer Sozialforschung. Im Verlauf des Kurses erarbeiten sich die Studierenden in Gruppen eine Forschungsfrage, wählen ein geeignetes Instrument, erheben Daten und werten diese anschließend aus, um ihre Fragestellung in einem Forschungsbericht beantworten zu können. Seit 2015 vermittelt das Projektbüro Angewandte Sozialforschung alternativ zur selbstausgedachten Forschungsfrage der Studierenden Kooperationspartnerprojekte mit gemeinnützigen Organisationen. Die Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Akteuren gewinnt das Projektbüro seit drei Jahren größtenteils auf dem AKTIVOLI-Marktplatz. Ziel dieser Veranstaltung ist es, Unternehmen und gemeinnützige Organisationen für beiderseitig gewinnbringende Kooperationen zusammenzubringen, wobei Geld als Leistung ausgeschlossen ist. Dadurch konnte das Projektbüro allein in diesem Jahr fünf Kooperationsprojekte in die Methodengrundkurse vermitteln.

Kooperation zwischen CorrelAid und dem Projektbüro Angewandte Sozialforschung

Durch den gemeinsamen Fokus auf gemeinnützige Organisationen, den das Projektbüro Angewandte Sozialforschung im Rahmen seines pro bono-Tätigkeitsbereichs und CorrelAid im Rahmen ihrer Datenanalyse-Beratung von Organisationen mit sozialem Auftrag hat, kam schließlich die Idee einer Kooperation zustande. Während CorrelAid die Analyse von großen Datenmengen für gemeinnützige Akteure anbietet, bietet der Transfer in die universitäre Lehre andere Möglichkeiten. Dort können besonders qualitative oder quantitative Datenerhebungen und -auswertungen realisiert werden, die aufgrund des Rahmens der Methodengrundkurse jedoch im Umfang begrenzt sind.

Die Angebote von CorrelAid und dem Projektbüro Angewandte Sozialforschung ergänzen sich gegenseitig: Gemeinnützige Organisationen mit einer bereits bestehenden großen Datenmenge leitet das Projektbüro in Zukunft an CorrelAid weiter, wohingegen CorrelAid Akteure mit sozialem Auftrag, für deren Wissensbedarf erst noch Daten erhoben werden müssen, an das Projektbüro weiterleitet. Durch diese Kooperation kann eine große Bandbreite an Anfragen von gemeinnützigen Akteuren aus der Zivilgesellschaft bedient werden; darüber hinaus profitiert die jeweils andere Einrichtung von den Kontakten und dessen Reichweite.