Hans Verbeek ist in Berlin stellvertretender Leiter im Berliner Büro des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) und ein Datenanalyseprofi. Wir haben mit ihm gesprochen – über seine Arbeit, über komplizierte Datenstrukturen der Bundesagentur für Arbeit und darüber, wie man beruflich in die Politikberatung einsteigen kann.


Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik macht wissenschaftliche Politikberatung – was ist das?

Wir machen Auftragsforschung. Vor allem für Bundesministerien, die Bundesländer, aber auch die EU-Kommission. Diese Institutionen schreiben Projekte aus, auf die wir uns bewerben. Das funktioniert anders als bei der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), bei der Forschungsideen eingereicht werden können. Die ausgeschriebenen Projekte haben ein konkretes Erkenntnisinteresse. Das bedeutet, dass Ministerien zum Beispiel wissen möchten, ob eine gewisse Politikmaßnahme funktioniert oder nicht. Weitere Fragen sind, ob etwas geändert werden sollte, oder ob es ungewollte Effekte gibt. Wir bieten dazu Analysen an, basierend auf Daten, Fallstudien und Interviews mit den relevanten Akteuren.

Welche Rolle spielen Daten und Datenanalyse bei Ihnen im Alltag?

Das ist sehr gemischt und hängt vom Projekt ab. Wir versuchen aber, qualitative und quantitative Forschung zu verbinden. Das klappt nicht immer, denn manchmal kostet es sehr viel Geld, an gewisse Daten zu kommen. Momentan arbeiten wir zum Beispiel mit den Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Datensätze beinhalten Informationen zu allen Menschen, die jemals Kontakt zur BA hatten oder einer abhängigen Beschäftigung nachgehen. Sehr spannende Daten. Das bringt allerdings auch Fallstricke mit sich, die Datenstruktur ist sehr kompliziert. Es gibt für jede Person mehrere Einträge, die sich zeitlich zum Teil überschneiden.

Was wäre hier die Aufgabe?

Der Datensatz muss aufbereitet werden, so ist er nicht verwendbar. Wir müssen Regeln definieren, die vom Projekt vorgegeben werden. Dann entstehen verschiedene einzelne Datensätze. Für die Auswertung kann man die dann je nach Bedarf zusammenspielen.

Was ist genau Ihre Aufgabe, Ihr Schwerpunkt?

Mein Schwerpunkt sind einerseits quantitative Analysen und andererseits der Themenbereich Arbeitsmärkte und der Europäische Sozialfonds. Ich übernehme aber auch Projektverantwortung bzw. die Projektleitung und führe selbst Fallstudien durch. Da geht es dann viel um Koordination und Kommunikation. In unserem Institut ist es aber wirklich wichtig, sowohl qualitativ als auch quantitativ zu arbeiten. Denn wir haben zwar spannende Daten, aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Man gelangt schnell zu Fehlinterpretationen, wenn man nicht vor Ort geschaut hat, wie eine Maßnahme umgesetzt wird.

Was sind die Voraussetzungen, die man für Ihren Job braucht? Wie kann man es schaffen, in der Branche einzusteigen?

In meinem Bereich ist ein sozialwissenschaftliches Studium hilfreich, zu dem ich aber auch Volkswirtschaftslehre zähle. Wir haben zwar auch Kollegen aus anderen Bereichen, aber überwiegend Sozialwissenschaftler. Außerdem ist ein starkes Interesse an Sozialpolitik und dem Arbeitsmarkt wichtig. Und natürlich eine gute Methodenkompetenz, quantitativ wie qualitativ. Wir stellen Leute nach dem projektbezogenen Bedarf ein. Dies bedeutet, dass wir einstellen, wenn die Aufgaben vom aktuellen Mitarbeiterstab nicht geleistet werden können und wir auch eine langfristige Perspektive für eine Neueinstellung sehen. Allerdings gibt es bei uns nur selten eine Projektbefristung und wir stellen in der Regel sofort unbefristet ein. Wir denken da langfristig. Wenn man in einem Projekt erfolgreich gearbeitet hat, kann man sich thematisch einfinden.

Die alles entscheidende Frage: mit welchen Analysetools arbeitet ihr?

Stata! Ein paar Kollegen benutzen auch SPSS. Wir hatten einmal eine Diskussion, aber die Mehrheit war für Stata. Ich selbst kenne kaum andere Programme, auch wenn ich sie sehr spannend finde. Letztlich sieht man aber, dass wir, die wir von der VWL kommen, alle Stata benutzen. Als wir das studierten, war das das Standardprogramm.